“Ich weine ungern, weil ich mich dann so hilflos fühle. Ich weiß, die Welt mag das nicht gern. Hilflose Leute. Ich weine nicht gern, weil es mich nur noch trauriger macht. Weil es mich so ausgrenzt. Weil ich doch weiß, dass das keiner gern hat, wenn die neben ihnen weint.”

Die Figuren in BEBEN straucheln mit der Welt. Sie haben sich ihre eigene, beherrschbare Realität innerhalb der eigenen vier Wänden geschaffen. Dort sind die Dinge kontrollierbar, durchschaubar, steuerbar.

Die Welt von Minecraft mit ihren klar gezogenen Grenzen und Regeln birgt Sicherheit. Der dauernde Schwall an Youtube-, Facebook- oder Instagram-Streams bildet in seiner Masse und andauernden Präsenz lediglich ein anonymes Rauschen, welches emotional den sicheren Kokon der Abschottung nicht zu durchstoßen vermag.

Über all dem Straucheln der vom modernen Leben Überforderten, wacht “der Mann an der Kante von Ulro”. Eine, an William Blakes “Urizen” Mythologie angelegte Figur. Er befeuert das Chaos. Er verkörpert den Architekt der modernen Gesellschaft, die sich ihrer eigenen Werte nicht mehr bewusst ist, die vereinsamt und für die nur die Flucht vor der Komplexität des Lebens bleibt.

“Ich steck mir die Finger in die Ohren. Trommelfelltief. Und versuche nachzudenken. Ich versuche mich zu erinnern, wann es das erste Mal da war, das Dröhnen.”

Doch BEBEN lässt den Zuschauer nicht mit dieser dystopischen Bestandsaufnahme zurück. An der Stelle, an der der Kollaps nicht mehr vom Individuum geleugnet werden kann, machen sich die Figuren auf, ihre Einsamkeit und ihre diffusen Ängste zu durchbrechen und sich selbst neu zu entdecken. Am Schluss von Beben steht eine, mit wuchtigen Worten gezeichnete, optimistische Gruppe von Menschen, die lieben und verzeihen möchten.

Team

Mit: Irina Ries und Lisa Sophie Kusz
Musik: René Schütz

Regie und Licht: Milan Pešl
Regieassistenz: Hanna Bartels

Bühne und Kostüme: Teresa Pešl
Dramaturgie: David Penndorf

© Fotos: Bernd Dreseler

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