Das Drama hört nicht auf!

Weckt eure Vorstellungskraft und stellt euch folgendes Szenario vor:

Im tiefsten Mittelalter kommt ein mysteriöser und schön anzusehender Wagen in eure Ortschaft gerasselt, begleitet von Musik und bunt geschmückten Gestalten. Irgendwo auf dem Dorfplatz machen sie halt, der Wagen wird geöffnet und zum Vorschein kommt eine Bühne mit Dekorationen fantastisch anmutender Welten. Es werden Fackeln für die Sicht entfacht und für das Ohr Trommeln geschlagen. Ein Minnesänger in Scharlachrot mit venezianischer Karnevalsmaske springt hervor, stimmt seinen Leierkasten an und intoniert in der verführerischsten Stimme: „Werte Damen und Herren und alle, die dazwischen liegen! Jungen, Mädchen, Kinder jeden Alters! Von weit her ist diese illustre Truppe zu euch gereist, um euch zu sagen: BLEIBT DAHEIM!“

Dann wird alles wieder in die Kiste geschmissen und sie rattern mit quietschenden Holzreifen hinter den Horizont...

Vielleicht hätten unsere mittelalterlichen Kollegen gut an solchen Maßnahmen getan. Vielleicht hätte das verhindert, dass die Pest zwei Drittel Europas verschwinden lässt. Da können wir natürlich nur mutmaßen.

Aber lasst uns allen schwarzen Humor mal beiseite schieben und ehrlich sein: Die Maßnahmen zum Infektionsschutz retten nicht nur Leben, sie zehren auch an den Nerven.

Wir wissen, dass es viele Leute dort draußen gibt, denen Theater so viel bedeutet wie uns. Das haben wir in dem knappen Zeitfenster gesehen, in dem das Bruchwerk Theater noch hoffnungsvoll seine diesjährige Spielzeit mit Nele Stuhlers FISCHE eröffnete und der Andrang der Zuschauer nicht auf sich warten ließ, die mit desinfizierten Händen klatschten und mit bedeckten Mündern lachten.

Doch, was nun?

Eigentlich sollten sich unsere mutigen Hobbygaukler von tollMut in die Produktion von DER HERZAUSREISSER frei nach Boris Vian stürzen. Doch durch die wieder rapide steigenden Coronainfektionszahlen sehen sich Kulturbetriebe in der ganzen Bundesrepublik einmal mehr mit einer einstweiligen Schließung konfrontiert. Zunächst einmal für die nächsten vier Wochen (2. bis 30. November). Zunächst... klopft auf Holz!

Deswegen haben wir uns letzten Mittwoch mit einem tapferen Haufen vor und hinter der Bühne aktiven Menschen zusammengesetzt (über Zoom, versteht sich, ne?) und Regisseur David Penndorf musste uns schonend die Verschiebung der Premiere unseres HERZAUSREISSERS in den nächsten April beibringen. Manche munkeln, eine Träne in seinem Augenwinkeln gesehen zu haben, es könnte aber auch ein Grafikfehler bei der Übertragung gewesen sein.

Ah, bon. C'est la vie. Vian würde es uns eh nicht schlimm ankreiden, der ist schließlich bei einem Kinobesuch gestorben. Da vermuten wir mal, dass er die Lebenserhaltung durch kulturbeschneidende Maßnahmen verstehen würde.

Wir versuchen, die ganze Sache gelassen zu nehmen und nutzen die Zeit, diese Inszenierung zu verfeinern.

Doch tatsächlich waren diese Neuigkeiten nicht einmal alles, was wir in dieser Sitzung der vielen verschlossenen Türen und geöffneten Laptops besprochen haben. Nur... können wir das noch nicht ganz mit euch teilen. Warum? Weil wir selbst auf heißen Kohlen sitzen. Und geteiltes Leid ist halbes Leid.

Nur so viel sei gesagt: Wir sitzen nicht in irgendeiner Ecke und schmollen mit ausgerissenen Herzen – was ihr übrigens auch nicht machen solltet! Damit der Sommer auf jeden Fall sonniger wird als dieser Winter, sind wir schon jetzt dabei, quasi zeitgleich mit dem nächsten Projekt auch schon das übernächste, das Sommerprojekt, zu planen. Ihr merkt schon: Ideen haben wir genug und nun ja auch viel zu viel Zeit am Hacken. Und wer weiß, vielleicht fällt uns noch etwas ein, wie wir die Zeit bis dahin mit euch allen vielleicht doch noch ein bisschen schöner und tollMutiger gestalten können. Bleibt gespannt und achtsam auf Neuigkeiten von uns, die eveeeeeentuell gar nicht so lange auf sich warten lassen werden. Aber vor allem: Bleibt für euch und uns gesund. Denn irgendwann – schon bald – wird der bunt geschmückte Wagen wieder vorgefahren kommen und die Welten werden sich öffnen und auch offen bleiben!