Licht ins Dunkel #1 Anne Stötzel-Rinder

„Du hast die alle sehr gern - auf so eine kannibalistische Art“, klärte unser Regisseur David Penndorf beim Casting unseren Ensembleneuzugang Anne auf, woraufhin wir uns alle hinter den Stühlen versteckten, aus Angst, mit etwas Salz und Pfeffer verspeist zu werden.

Auch heute, Monate später, haben die Nerven sich noch nicht wieder beruhigt, denn in nicht einmal zwei Wochen ist unsere Premiere schon vorbei! Glücklicherweise sind wir in der Zwischenzeit aber wieder hinter den Stühlen hervorgekommen, denn wir hatten die Chance, Anne näher kennen und lieben zu lernen. Wir wissen nun: Anne frisst niemanden auf, krümmt niemanden ein Haar und unter dem Motto „Theatermenschlein sind Freunde, kein Futter“ nimmt sie alle liebevoll in die Arme und versorgt sie mit Tee und Kuchen satt, wenn sie zu Besuch sind. Damit euch hier nicht bloß das Wasser im Munde zusammenläuft, wollen wir euch Anne nun etwas näher vorstellen.

In unserer KOMÖDIE IM DUNKELN spielt Anne Miss Furnival, auch Ferny genannt; eine Nachbarin aus dem Haus, die sich schrecklich im Dunkeln fürchtet und daher Zuflucht in der Wohnung des Protagonisten sucht. Angst im Dunkeln hatte Anne als Kind nicht so richtig - nur vor dem dunklen Park vor dem Haus und den Ratten. Heute nimmt sie im Dunkeln lieber an Schönheitswettbewerben teil und/oder beim Erzählen von Lügengeschichten. Wir finden ja, Anne braucht sich nicht im Dunkeln verstecken, aber wenn die Ohren knallrot beim Lügen werden, ist etwas Zwielicht vielleicht nicht verkehrt - wir bemühen uns, das noch herauszufinden. Vielleicht wächst auch ihre Nase in die Länge. Das wäre von Nachteil und könnte unser Publikum zu dem Verdacht führen, im falschen Stück zu sitzen. Um sich ins richtige Licht zu rücken, braucht Anne auch gar keine Lügen, da genügt es, einfach sie selbst zu sein. Sie selbst sagt aber, dass das „sie selbst sein“ früher gar nicht so gut ankam. Ich zitiere „ich hab´s dann gleich für alle Zeit verkackt!“ Ich selbst finde den Ausruf von ihr selbst „Scheiß der Hund drauf“, als Antwort darauf sehr treffend, dessen Zeugin ich neulich bei einer Probe werden durfte. Wir haben dich gern so wie du bist, liebe Anne!

Im letzten Jahr berichteten wir davon, dass es bald Zeit wird ein Lexikon „Dave-Deutsch für Beginner*innen und Fortgeschrittene“ herauszubringen. Inzwischen bin ich der Ansicht, wir sollten es „tollMut Vokabular für alle, die keine Ahnung haben“ umbenennen. In diesem können dann auch Annes Ausdrücke „Schauerpause“ und „Schauerpower“ (nein, nicht showerpower!) geklärt werden. Im Übrigen braucht man manchmal auch ein Wörterbuch (oder den Google Übersetzer), wenn man mit Anne schreibt. Nicht etwa, weil Anne nicht mit ihrem Smartphone zurechtkäme - das klappt ziemlich gut -, sondern. weil die wenigsten von uns fließend Niederländisch sprechen. „Groetjes“ mag man ja noch verstehen, aber als ich neulich ein niederländisches Gedicht erhielt, war ich dann doch mit meinen Sprachkenntnissen am Ende und warte seitdem sehnsüchtig auf einen Dolmetscher.

Also, wenn hier irgendwelche Niederlande-Expert*innen sind, quatscht Anne gern an und haltet ein Pläuschchen, da ist sie Feuer und Flamme. Auch über Literatur und Kunst kann man sich mit ihr prima unterhalten. Aber Vorsicht, Anne ist gern zu Scherzen aufgelegt. Das hat sie mit der lieben Miss Furnival gemeinsam! Einen Nachbarn wie Harold Gorringe hat sie aber nicht, der ihr „artige Komplimente macht“. Schade eigentlich, denn den hätte Anne wirklich verdient. Naja, dann übernehmen wir das eben!

Anne ist eine liebenswerte Mischung aus Spaß und Ernst. Auf Mischgetränke hingegen steht sie überhaupt nicht. Weder Vodka, Whisky noch Ginger Ale vermögen es, ihren Gaumen zu schmausen; ihr reicht ein Wasser oder auch mal ein Tässchen Tee. Ich verbleibe mit einem Ratschlag den Anne Ferny mit auf den Weg gibt, der genauso gut aber auf uns alle zutrifft: „Bleib so wie Du bist! Gib Dir keine Mühe, Dich zu ändern, - bei Dir ist sowieso Hopsen und Malz verloren! Sorry: 'Hopfen und Malz '“