Licht ins Dunkel #2 Tobias Aschenbrenner

Ja, sapperlot! Da hat man einmal nicht richtig aufgepasst, schon steht da plötzlich ein neues Jahr auf der Matte, obwohl der Glühweingenuss gerade erst so richtig Fahrt aufgenommen hatte. Tja, machste nichts; vom Weihnachtsmarkt steht nur noch ein einsames, vergessenes, letztes Häuschen und die glücklichen Erinnerungen an dampfende Becher in frierenden Händen sind alles, was uns vom letzten Jahr bleibt. Das Leben geht unbarmherzig weiter und wir werden uns einfach damit abfinden müssen.

Und sogar ganz schön schnell geht es weiter, denn, wie wir gestern in der Blogredaktion erschrocken feststellen mussten, sind es bis zur Premiere nicht mal mehr zwei Wochen! Eiskalt erwischt hat uns das, dabei habt ihr, geneigte Leser*innen, sicher schon sehnsüchtig auf Neuigkeiten gewartet! Koffein sei Dank konnten wir aber gestern, traditionsbewusst und zuverlässig wie wir sind, in unsere kleine Vorstellungsrunde starten, um unser Ensemble mal wieder so richtig von allen Seiten zu beleuchten. Ihr wollt ja auch wissen, auf was ihr euch da einlasst, und was, beziehungsweise wer euch so geboten wird. Und weil wir euch nicht so schnell vom Haken lassen wollen, kommt heute direkt der nächste Enthüllungsreport hinterher, zack! Damit hättet ihr nicht gerechnet, woa? Quantität vor Qualität. Oder irgendwie so.

Aber egal, schnell weiter machen also in dieser erhellenden Reihe mit unserem zweiten Neuzugang im Ensemble, Tobias. Gutgläubig und freudig strahlend nahm er im Oktober die Rolle des Brindsley Miller an, ohne auch nur den blassesten Schimmer davon zu haben, auf welches waghalsige Unterfangen er sich da eingelassen hatte. Einen ersten Geschmack davon, was ihn erwarten würde, gab es allerdings schon beim ersten Textlesen, als er (eine Regieanweisung bemerkend) lachend fragte: „Ich muss die Treppe aber nicht wirklich runterfallen, oder?.... ODER??“ Wir wollen an dieser Stelle nicht zu viel vorwegnehmen, aber wer tollMut auch nur ein winziges bisschen kennt, wird beim Beantworten dieser Frage wohl kaum ins Stocken geraten. Die Frage, ob er zu seinem Kostüm dann wenigstens einen Bauhelm bekommen könnte, war da nur allzu verständlich (wenngleich sie natürlich trotzdem verneint wurde). Nach zwei Monaten Probenzeit kann allerdings vermerkt werden: So schlimm ergeht es dem Knaben bei uns gar nicht, denn wiederholte Erkundigungen nach blauen Flecken wurden stets enttäuscht; keine zu verzeichnen.

Sei’s drum, die Proben mit unserem Hahn im Korb bieten trotzdem mehr als genug Abwechslung, wenn er mal wieder ein weiteres Zootier nachahmen darf oder aber vor allem dann, wenn er in seinem Text nicht weiter weiß. In diesem sehr seltenen, fast nie auftretenden Szenario bietet Tobi sehr gern einfach mehrere Alternativen an, eine Taktik, die sich dann ungefähr so anhört: „Sie haben völlig recht… oder, nein, Sie haben etwas sehr Schlaues gesagt… oder Sie haben eine sehr treffende Bemerkung gemacht,… genau.“ Er sollte Schriftsteller werden, der Gute, bei dieser Flut an kreativen Ausbrüchen. Denn auch sonst ist er nur selten um Worte verlegen und plappert mit Leidenschaft viel, weshalb Ruhe ein Konzept ist, mit dem er sich nur sehr schwer anfreunden kann und weshalb „Witze erzählen“ laut eigenen Angaben seine Go to-Taktik, ist um sich bei anderen Menschen lieb Kind zu machen. Wie gut das funktioniert, sei einmal offen gelassen. Dass diese Unruhe aber auch einen perfekten Nährboden bietet für eine gewisse Verplantheit, dessen ist er sich vollkommen bewusst, und war es schon lange, bevor er den Kinderschuhen entwachsen war. Denn vermutlich war auch das der Grund, warum er damals, als vierjähriger Stöpsel, in die missliche Lage geriet, stundenlang auf dem Flur des elterlichen Hauses auf und ab hopsen zu müssen, unfähig die Toilette zu finden, welche buchstäblich direkt vor seiner Nase war. Zum Glück fiel Frau Mama das sonderbare Verhalten ihres Sprösslings nach einiger Zeit auf und sie führte ihn, gerade noch rechtzeitig, in die rettenden Hallen des Badezimmers.

Hier hat der Junge sich glücklicherweise noch nie verlaufen und wir hoffen stark, dass das so bleibt, auch wenn er sich noch nicht so gut auskennt in der Region. Denn der gute Herr ist extra aus München gekommen, nur um einmal bei uns auf der Bühne stehen zu können. Das nenn ich Einsatz! Na gut, eventuell ist er auch schon vor 1-2 Jährchen hier gestrandet, aber wer wird denn so kleinlich sein? Kann man ja auch nicht sicher sein, wenn jeder zweite Ausdruck den er fallen lässt, nach einer neuen Spezialität beim Oktoberfest klingt, gell? Ob davon auf der Bühne auch was zu merken ist? Ja, da müsst ihr euch wohl selbst ein Bild von machen. Lang ist es ja nicht mehr hin.