Licht ins Dunkel #6 Katalin Herres

Die Premiere rückt immer näher! In der Blogredaktion haben wir die Klingen geschärft und die Kittelschürze umgebunden, denn wir sezieren hier so viel Frischfleisch, dass wir uns langsam wie Metzger vorkommen. Heute auf unserer Servierplatte: Neuzugang Katalin Herres in der Rolle von Schupanski!

Ich gebe zu: Katalins Casting will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen. Stellt es euch so vor: Sie kommt auf die Bühne, ein Scheinwerfer blendet sie und die Stimme eurer Majestät Penndorf erkundigt sich nach ihrem Namen. „Katalin“, entgegnet sie. „Noch nie gehört den Namen“, denke ich und richte mich auf meinem Sitzplatz auf. „Mag ich!“ Dann fängt sie an, ihr Gedicht vorzutragen. Falls ihr denkt, ich kann mich noch an den Titel oder Autoren erinnern, irrt ihr euch, denn ich hab’s nicht so mit Sachen merken (Da hab ich mir mit der Schauspielerei ja ein feines Hobby ausgesucht). Was ich aber noch weiß, ist, dass alles, was Katalin auf der Bühne unter der fragwürdigen Anleitung von Herrn Penndorf da fabriziert hat, mich in helles Staunen versetzt hat. Man fragte sich: Warum kreuzt die erst jetzt bei uns auf? Wo hat die all die Jahre gesteckt? Jetzt ist es aber auch egal, denn nun haben wir sie endlich in unser pechschwarzes tollMut-Loch mit reingezogen.

Apropos schwarze Löcher – DUNKELHEIT! Im Stück KOMÖDIE IM DUNKELN dreht sich alles nur um die Finsternis und ich würde euch so unendlich gerne erzählen, in welche quadratische Schwärze Katalin oder eher Frau Schupanski da im Stück hinabsteigen muss, aber ich erinnere mich lieber an meine neue Nebenbeschäftigung als Fleischermeisterin und lasse euch darum wie einen Braten in Ungewissheit schmoren. Ich schreibe stattdessen darüber, wie Katalin es eines sonnigen Tages geschafft hat – IM HELLEN!!! – in einem falschen Oldenburg anzukommen.  Zugtickets? – Check! Koffer? – Check! Onkel weiß Bescheid, dass man anreist? – Check! Jetzt muss man nur noch in den Zug steigen und los geht’s. Ein Klacks! Doch als man aus dem Zug aussteigt und einen verdächtig kleinen Bahnhof für immerhin knapp 170.000 Einwohner vorfindet, muss man sich wundern, wo denn der vorher benachrichtigte Onkel bleibt. Man ruft ihn also an, sucht einander vergeblich, vergleicht dann die Postleitzahl und ZACK! Es gibt ganze zwei Oldenburgs in Deutschland und man hat bei einer 50/50 Chance leider das falsche Oldenburg ausgewählt und wäre beinahe in Dänemark gelandet(Anmerkung von anderen Teilen der Redaktion: Mal auf eine Karte geschaut wo Dänemark liegt?). Nachdem Katalin es dann irgendwie ins andere, ins richtige Oldenburg geschafft hatte, wurde die Geschichte zum ewigen Evergreen für ihre Mutter und ihren Onkel, die sie herzlich ausgelacht haben. Für uns jetzt auch.

Na toll! Jetzt haben wir bereits Katalins verstörendstes Jugenderlebnis ausgeplaudert und dabei wisst ihr noch gar nicht, mit was für einer Person ihr es überhaupt zu tun habt. Wo bleiben die Stats, die Fakten, das Sternzeichen und die Lieblingseissorte? Herausragende Arbeit, Blogredaktion! Aber was soll’s! Sind die Leser nicht verwirrt, ist der Blogbeitrag nicht gelungen, pflege ich mich immer gerne selbst zu beruhigen, wenn ich die Sache mit dem Qualitätsjournalismus mal wieder nicht ganz so ernst genommen habe.

Katalin ist, soviel wollen wir verraten, eine begnadete Sängerin, die ihr Talent nicht bloß auf der Bühne nutzt, um ihren Ruhm zu mehren, sondern auch in bester altruistischer Absicht Schülerinnen und Schüler davon überzeugt, dass wirklich jede und jeder singen kann. Um in Coronazeiten den Abstand und die Durchlüftung während ihres Gesangsunterrichts zu garantieren, begibt sie sich mit ihren Schützlingen sogar auf Spaziergänge durch Stadt und Wald und es wird im Freien geträllert. Wenn sich das erst einmal herumgesprochen hat, kann die Philharmonie einpacken – dann lauern die Musikfreunde demnächst in den Büschen der Siegener Flora und hoffen auf kostenlose Konzerte. 

Weiter geht’s mit der Vorstellung: Wenn man ganz professionell Katalins Antworten auf unsere gut überlegten Fragen auswertet, kommt man zu den folgenden Feststellungen: Katalin ist eine Träumerin, interpretiert zu viel Zeug in Dinge, die kein Mensch jemals gesagt hat, und die, wenn sie jemand gesagt hätte, völlig anders gemeint gewesen wären und hat einen bösen Humor, dafür aber kein Hirnschmalz für philosophische Sachverhalte. Wenn ich „professionell auswerten“ sage, meine ich natürlich die Worte 1 : 1 so in den Text zu übernehmen, wie sie an mich weitergeleitet wurden. Wir in der Redaktion haben manchmal auch ein Päuschen verdient. Es muss ja nicht immer der Pulitzer Preis für Journalismus sein. Manchmal genügt es auch einfach, die Antworten der Darstellenden auf unsere Fragen auszudrucken, grob mit einer Schere zu zerteilen und wahllos neu zusammenzufügen. Was denn? Bei der BILD geben die sich auch nicht mehr Mühe.

Trotz des fehlenden Hirnschmalzes (ich halte das ja für eine Lüge), ist ein guter Ratschlag von Katalin an Schupanski entschlüpft, den man in dem jetzigen Fall auch sehr gut auf diesen Beitrag anwenden kann: „Überprüft bitte immer zuallererst, ob ihr euch nicht in einer Gruppe voller Idioten befindet!“ Wenn ihr Lust habt, einen Abend ohne Idioten zu verbringen, schaut euch unbedingt die KOMÖDIE IM DUNKELN mit Katalin Herres als Schupanski an. Dort sitzen nur Leute, die sich ein Ticket gekauft haben – und einen größeren Beweis dafür, kein Idiot zu sein, fällt uns nicht ein.