Licht ins Dunkel #8 Charlin Sophie Lüttger

Wir sehen ein Licht am Ende des Tunnels. Unsere Vorstellungsrunde der Schauspielenden in der KOMÖDIE IM DUNKELN neigt sich dem Ende zu. Geblieben ist – man könnte sagen, das Beste kommt zum Schluss - nur noch unsere wohlbekannte Charlin Sophie Lüttger in der Rolle von Colonel Melkett.

Wer vor zwei Jahren meinen Leidensbericht zu DIE MÖWE gelesen hat, mag sich vielleicht noch an die zweithöchste Folterinstanz Charlin erinnern. Wir schauen zurück: Damals schwebte ich einer Feder gleich als Tänzerin über die Bühne. Leicht und geschmeidig sah das aus. Kleine Hintergrundinformation: Es war das Gegenteil! Es war ein Höllenritt! Und Charlin trägt eine Teilschuld! Da ich jetzt nicht komplett ausholen möchte, will ich nur die wichtigste Quintessenz des damaligen Berichts erwähnen: Charlin Lüttger war eine meiner damaligen Tanzchoreographinnen und ist eine B.P.: Befehlshaberische Person, was wie Faust aufs Auge auf unseren Colonel Melkett zutrifft. Ich kann also aus erster Hand bestätigen: Besser hätte man die Rolle nicht besetzen können!

Nun gut. Charlin mag mich zwar damals gequält haben, aber das hat sie – wie sie selbst betont und die Ergebnisse bestätigen - immer nur aus Liebe getan. Es musste mich schließlich jemand zu meinem eigenen Glück zwingen und das kann diese zauberhafte Frau mit bemerkenswerter Durchsetzungskraft.

So pflichtbewusst wie Charlin ist, hat sie unseren Qualitätsfragebogen zur Vorbereitung dieses Berichts wirklich 1A ausgefüllt. Da muss man nicht mal mehr etwas dazu dichten, da kann man einfach Copy & Pasten und sich nach fünf Minuten Arbeit für seinen sauber recherchierten Qualitätsjournalismus abfeiern lassen. Es steht ja alles da!

Aber erst mal etwas Grundlegendes: Unsere Charlin ist eine freie, außergewöhnliche und starke Frau! Am besten zeigt sich das darin, dass jeder andere Mensch bei einem Stromausfall die Rechner, Ladegeräte und alles Übrige vermissen würde, was nach 2000 in China produziert wurde, aber nicht Charlin! Sie würde ihrem Ofen nachweinen, weil sie ohne diesen keine Pommes erwärmen und speisen kann. Ich kann das leider nur allzu gut verstehen. Endlich mal jemand mit nachvollziehbaren Prioritäten!

Sie ist, die Tätigkeit als Tanzchoreographin legt es nahe, eine Sportskanone und tänzelt bei jeder sich ergebenen Gelegenheit durch den Raum, das Feld, die Straßen. Außer sie erleidet mal wieder einen Knochenbruch. Unsere Redaktion hat sie aber leider im Dunkeln gelassen und verlangt, dass wir neben unserer aufreibenden Tätigkeit als Qualitätsjournalisten nun auch noch raten sollen, wie viele Knochenbrüche sie denn schon hatte. Wir sind doch nicht das Orakel von Delphi! Naja. Unsere Nachforschungen bei dem zuständigen medizinischen Fachpersonal laufen noch. Bislang haben wir nur einen klitzekleinen Hinweis bekommen: zweistellig. Also irgendwas zwischen 10 und 99. Wir tippen auf irgendwas im oberen Drittel.

Aber keine Sorge, sie wird nicht auf der Bühne tanzen (Schade) und riskieren, dass ihr Zeuge eines Knochenbruchs werdet (Puh). Zu unserem Colonel würde das nicht so ganz passen, auch wenn wir Charlins Interpretation eines strammen Marsches zu den zünftigen Klängen der Trommler und Blechbläser schon gerne zu Gesicht bekommen würden. Vielleicht lässt Daddylein sich ja hinreißen und möchte mit seinem Pummelchen (so nennt Charlins Rollenfigur seine Tochter) noch einmal zeigen, was die alten verrosteten Knochen so drauf haben. Vielleicht ja im Backstage nach dem Applaus? Oder bei der Derniere?

Was ich auch sehr liebenswert an unserer Charlin finde, ist ihre Treue zu sich selbst. Wenn sie jemand nicht mag, dann ist das halt so. Sie sieht es nicht ein, sich für Menschen zu verrenken, bloß um in deren Bild zu passen. Und das muss sie bei uns auch nicht, wir mögen sie so, wie sie ist (meistens. Wenn sie beim Tanztraining ihre Folterwerkzeuge auspackt, nicht immer. Danach aber wieder. Wenn man sich nach ein paar Wochen dann wieder bewegen kann.)

Ich hoffe, dass dieser Bericht wenigstens etwas lebensgetreu ist, denn Charlin und auch der Colonel mögen schließlich keine Lügner. Und Schreien mag die werte Dame auch nicht. Kann sie und muss sie zwar im Stück, denn Daddylein liebt es sehr, Krawall zu machen. Befehle können schließlich nur gehört werden, wenn sie laut genug gebrüllt werden, dass auch die Zuschauer in der letzten Reihe salutieren und folgen können.

Der Gedanke, dass übermorgen schon die Premiere ist, gruselt mich ein wenig. Vor allem habe ich in meinem finsteren Herzen ein bisschen Mitleid mit unseren hart arbeitenden Mäusen im Bruchwerk gefunden, die Tag und Nacht am Werkeln sind und vielleicht nur für 2 Stunden zu Hause zur Ruhe kommen. Darum schließe ich mit einem Ratschlag für den morgigen Ruhetag, ausgesprochen von unserer tollMütigen Charlin höchstselbst, aber eigentlich als Ratschlag an den Colonel gemeint: „Einfach mal ein bisschen runterkommen. Vielleicht mal Yoga ausprobieren und vor dem Schlafen gehen mal einen Baldriantee trinken.“ Damit kann man sich am besten auf die Premiere vorbereiten!