Lustige Vögel #3 - Susanne Gerhards

03:26 Uhr, eine unchristliche Uhrzeit, zu der Menschen mit einem gesunden Biorhythmus entweder selig schlummern oder im Wolkenkucksheim Hebefiguren zu Bruno Mars darbieten (dazu später mehr) - Pustekuchen! Für uns Sklaven des Informationszeitalters handelt es sich hier um die beste Zeit, den Beitrag für unseren lustigen Vogel Nummer 3 Susanne Gerhards zu verfassen. Nachtschicht ohne Bonus, willkommen beim tollMut-Blog. Vielleicht nicht die erlesenste Idee, sollen die Ringe unter den Augen jemals wieder ihr finsteres Anthrazit verlieren, aber die Infos müssen ja unter die Leute! Wir haben uns nicht unüberlegt investigativen Qualitätsjournalismus auf die Fahne geschrieben und der schläft nie. Schließlich rückt die Premiere näher und näher - auf erhabenen Schwingen kommt sie geflogen und kräht bedrohlich „Asa Asa“ in den Terminkalender. Darüber hinaus sind unsere lieben DarstellerInnen freilich auch schon ganz wild darauf (...), endlich (...) vorgestellt zu werden, und kauen sich vor lauter Vorfreude die Fingernägel bis zum Nagelbett herunter, bangend, welche brisanten Informationen unsere knallharte Recherche ans Tageslicht befördert und ob diese Informationen mit legalen Mitteln aus dem Netz entfernt werden können, sollte man etwa im Suff eingelullt von den fadenscheinigen Schmeicheleien der Blogredaktion ein paar pikante Details ausgeplaudert haben, die der alte Teufel Internet nun als Mahnmal wider den Schnaps und gelöste Zungen in alle Ewigkeit konserviert. Aber so ist das eben, niemand hat behauptet, dass das Leben als Lokalprominenz ein Zuckerschlecken wäre.

Zurück zu unserer guten Susanne, ohne die in unserem Haus am See überhaupt nix laufen würde, außer die Pferde zum Bahnhof und zurück. Als Powerfrau macht sie Kleinholz aus allem, was brennt, und gelegentlich auch aus anderen Darstellerinnen. Susanne mimt in unserer Interpretation von Tschechows „Die Möwe“ nämlich Polina Andrejewna Schamrajew, die robuste Hausverwalterin des Landsitzes von Arkadina (Andrea Küsel, seit das Bühnenbild steht auch bekannt als Andrea Kiesel), mit der sie keine Möwen, aber das ein oder andere Hühnchen zu rupfen hat. Mit Method Acting hat das bei uns zum Glück aber überhaupt nichts zu tun, denn im wahren Leben sind die beiden ein Herz und eine Seele. Bei soviel Solidarität unter Frauen sollte man stets ein Taschentuch griffbereit haben, um Tränen der Rührung von der feuchten Wange tupfen zu können.  Vereinte Girl Power, die man derart strahlend zuletzt bei den Spice Girls erblickte.

Doch hört Susannes Nächstenliebe bei Schauspielkollegin Andrea noch lange nicht auf! Als liebliche Freundin all dessen, was auf Gottes Erden so kreucht und fleucht, verteilt Susanne stets mit vollen Händen Zuneigung im Ensemble und steht mit offenem Ohr und offenem Herzen immerfort parat, gerade so, als hätte man sich im Halbschlaf am Telefon ein Abo für mildtätige Freundschaftsdienste aufschwatzen lassen. Wunderbar! Jedoch hat bei aller Liebe für Ensemble und Team auch Susannes Verständnis Grenzen. Unfreiwillige. Wenngleich sie uns verraten hat, welch heiteren Freudenhopser der große Muskel in der Brust macht, umgibt sie sich mit Menschen, die ihre Leidenschaft für Kultur teilen, ist sie an jemanden wie unseren Regisseur David Penndorf bei all diesen Begegnungen in 24 Jahren Theatererfahrung nicht geraten.„ Hör auf zu sprechen wenn du redest!“, verlangte er ihr jüngst bei einer Durchlaufprobe ab und da stieß die sachverständige Schauspielerin und geschulte Zuhörerin an die Grenzen ihres interpretativen und performativen Vermögens. Großes Fragezeichen im Gesicht Susannes, Schulterzucken bei den alten tollMut-Hasen, die im kommenden Jahr ein Lexikon Dave-Deutsch zu veröffentlichen gedenken, auch, um Susanne in Zukunft vor derlei Irritationen bewahren zu können. Die Bedeutung von „Sonst pfeifst du nach ihrer Tanze" wird darin dann auch ein für alle Mal geklärt. Halte durch, Susanne, Hilfe auf 21700 chlorfrei gebleichten Seiten naht.

Bis das Nachschlagewerk im Handel erscheint, muss unsere Schauspielkollegin aber andere Wege finden, den Ballast kryptischer Regieanweisungen aus dem System zu bekommen, zum Beispiel, indem sie eine kesse Sohle aufs Parkett legt. Dass sie das Tanzbein nicht minder sturmerprobt schwingt als die Axt, durften wir neulich bei einem gemeinsame Besuch im Partyparadies Wolkenkuckucksheim (hoffentlich bald: Wolkenmöwenheim, Boran?) staunenden Auges erfahren: Wer "Dirty Dancing" mag, wird Susanne im Club lieben. Oder in der Küche, denn da tanzt sie eigentlich am liebsten. Eine Liebesheirat von Eleganz und Eskalation, bei deren Anblick Patrick Swayze – Gott hab ihn selig – und Jennifer Grey vom Baumstamm fallen würden vor Neid.

So, ist jetzt aber wirklich auch schon spät und damit ihr die gelesenen Infos in aller Ruhe verarbeiten könnt, solltet ihr, wie ich, dringend ins Bettchen hüpfen. Ihr wollt doch ausgeruht sein, wenn am nächsten Freitag „Die Möwe“ endlich zu ihrem Premierenflug durch das Bruchwerk flattert. Vielleicht sattelt ihr ja aber auch noch die Pferde und geht tanzen? Wenn Susanne gerade nicht zum Ketchup Song durch ihre Küche wirbelt, trefft ihr sie ja möglicherweise sogar auf dem Dancefloor. Es wäre euch zu wünschen, denn das wollt ihr nicht verpassen, ebensowenig wie den Genuss ihrer Performance als Polina!

Also, Karten kaufen und Ente gut, alles gut.