Lustige Vögel #4 - Charline Kindervater

Traditionen, das wusste gewiss auch schon Konfuzius, soll man pflegen! Und bitte wo, wenn nicht im traditionsbewusstesten Metier des Theaters könnte diese Weisheit besser aufgehoben sein? Ja, vielleicht mögen wir bei tollMut für manch kritischen Kritiker nicht direkt traditionell wirken und vielleicht habe ich mir diesen Zusammenhang auch nur ausgedacht, Fakt ist aber, dass sich durchaus einige Riten eingeschlichen haben bei uns und nun gilt es einmal, diese für unsere treue Leserschaft aufzudecken, ganz im Dienste der Enthüllung. Und wenn man sich dann bei der Recherche von Fakten und Hintergründen bis zum Halse hinein in die Tiefen des tollMut-Archivs vorwagt, stolpert man tatsächlich schnell über Kurioses.

Wir wissen ja alle, dass manche Menschen unterschiedliche Jahreszeiten bevorzugen, nicht nur in Sachen Mode gibt es Herbsttypen und Wintertypen und so weiter, aber dass sich dies sogar auf die Performance manch einer Schauspielerin auswirken kann, hätte man ohne die investigative Arbeit unseres Qualitätsblogs sicherlich nie herausgefunden. Genau dies ist allerdings der Fall bei unserem nächsten Vogel im aktuellen Ensemble. Charline Kindervater erweist uns nun schon zum vierten Mal die Ehre und spielt damit, nun wird es aufregend, ebenfalls zum vierten Mal wieder in unserer Winterproduktion mit. Der Sommer scheint ihr einfach nicht so zu liegen und da alles, was häufiger als drei Mal passiert, bekanntlicherweise zur Tradition wird, fügt sie sich nun scheinbar einfach ihrem Schicksal. Wozu sich gegen das Universum stellen? Wozu Konfuzius herausfordern?

Bei Charlys Nervositätsattacken vor Casting und Auftritt jedoch helfen keine Traditionen, und so macht sie es sich auch beim vierten Mal vor jeder Vorstellung zur Aufgabe, die Nerven ihrer Mitspieler feinsäuberlich freizulegen, indem sie jede (!) einzelne (!!) verdammte (!!!) Szene noch einmal durchgehen will. Jedes Mal. Wer also jetzt zum ersten Mal mit ihr auf der Bühne steht, sei gewarnt: Baldrian und Consorten einpacken.

Aber bevor ihr nach einer Überdosis Bachblütenextrakt in seligen Schlummer fallt, erstmal noch schnell klären, wen die Gute überhaupt spielt in Tschechows Stück. Nina heißt ihre Rolle und weil ich müde bin und keine Lust habe auf fünfzig rot unterstrichene Zeilen in meinem Text, erspare ich euch den Rest ihres Namens. Merkt euch „Nina“, das ist wichtig, auch wenn sie zwischendurch behaupten sollte, sie würde „Möwe“ heißen. Charly selbst beschreibt diesen Charakter als äußerst willensstark, wenn auch eventuell mit falsch gesetzten Prioritäten, insbesondere bei der Partnerwahl. Schwierige Mischung, definitiv. Welche Probleme das mit sich bringt, seht ihr ab Freitag (ja, ist schon sehr bald, schnell mal Karten kaufen), uns interessiert hier aber doch viel mehr welche anderen Macken außer des nervtötenden Lampenfiebers sie selbst noch hat.


Und tja, was soll ich sagen, aber nervig geht es weiter. Sagt sie von sich selber. Also quasi. Wenn man zwischen den Zeilen liest. Oder eben einfach sehr viel Zeit mit ihr verbringt. Dann merkt man schnell, wovon sie spricht und wo ihre Qualitäten so liegen. Sie hat sich die Theaterleidenschaft schließlich nicht ohne Grund ausgesucht, nein. Das Theater gibt ihr nämlich die Möglichkeit, unter dem Deckmantel der Kunst ihrem Drang endlos, ohne Punkt und Komma und laut zu reden. Ja, da ist sie auf der Bühne durchaus gut aufgehoben, nur reicht ihr das leider nicht. In der wenigen Freizeit, die der Penndorf ihr lässt, egal wie knapp bemessen, kann sie dennoch nicht still sein. Geht einfach nicht. Weiß sie selbst nicht, warum das so ist. Und wenn ihr die Themen ausgehen zum Diskutieren und Philosophieren, dann fängt sie eben einfach an zu singen. Ein Unterhaltungsprogramm auf zwei Beinen. Bei Interesse nehmen wir auch gerne Buchungsanfragen für Ihre nächste Firmenfeier entgegen, einfach an der Bruchwerk-Kasse melden.


Natürlich ist das nicht das Einzige, das sie ausmacht. Hat ja schließlich viele Talente oder „interessante“ Eigenschaften, wie beispielsweise die Tatsache, dass sie größer ist als eine durchschnittliche Klapperschlage lang. Das scheint ihr wichtig zu sein, wenn sie es extra betont, und dann findet es natürlich auch hier Erwähnung. Wir sind ja nicht so. Ist ja auch schön, wenn mal andere Tiere in den Vordergrund gerückt werden, bei all den verrückten Vögeln hier.
Davon seht ihr dann bald auf der Bühne genug, allen voran Charly.

Denn sie ist eine Möwe! Nein. Sie ist Schauspielerin. Was? Ach egal, kommt einfach vorbei und seht selbst.