Kraftsport-Leiter & ein niedlicher Totenkopf - Das Casting zu KOMÖDIE IM DUNKELN

In Eilmeldungen wurde es bereits bekanntgegeben, aus den Fenstern geschrien und mit weißem Rauch verkündet: Wir haben ein neues Ensemble! Habemus Ensemblus! Zwei Tage lang wurde bei tollMut gecastet was das Zeug hält und nach Stunden des Kopfzerbrechens seitens des Regisseurs inklusive Helferlein endlich die Entscheidung getroffen. Doch bevor es nun in die heiße Phase der Proben geht, wollen wir euch doch noch einen kleinen Einblick bieten in die Veranstaltung, über die landesweit bisher nur spekuliert wird: Das Casting selbst. Während alte tollMut-Hasen vor Aufregung zittern, weil sie wissen was auf sie zukommt, zittern Neulinge, weil sie dies eben nicht wissen. Unser neues Ensemblemitglied Fabienne hat auch gezittert und mal aufgeschrieben, was sie bei uns so erlebt hat, um für euch Licht ins Dunkel zu bringen.

Beim Casting mussten die Bewerber natürlich dem Titel zum Trotze nicht im Dunkeln auf der Bühne stehen. Das wäre auch zu schade gewesen um die Gegenstände, die Regisseur David „Dave“ Penndorf großflächig auf der Bühne verteilt hatte.
Wenn jemand ein Gedicht aufsagte, das im Vorfeld auswendig gelernt worden war, sollte derjenige dabei entweder Stühle verschieben, einen Totenkopf halten - oder wie in meinem Fall: Die Leiter hochklettern und riskieren zu fallen:

Aber von vorne:

Das Casting zu der KOMÖDIE IM DUNKELN war im Oktober, an einem kühlen Dienstagabend, um 18 Uhr im Bruchwerk. Um 17.50 Uhr war ich noch bei dm, nur wenige Minuten vom Theater entfernt. Ich hatte kein Deo und brauchte dringend eins. Schließlich wollte ich ja nicht stinkend und verschwitzt das erste Mal zu einem Casting ins Bruchwerk Theater. Wie sich später herausstellte, war das Deo völlig umsonst, weil ich während des Castings so aufgeregt war, dass ich natürlich trotzdem schwitzte und mindestens viermal auf der Toilette war.

Die Nervosität, gegenüber so vielen neuen Leuten zu stehen, fiel den ganzen Abend nicht von mir ab - auch wenn alle offenherzig und sympathisch waren.

Maske weg!

Als ich um 18 Uhr vor dem Bruchwerk stand, wurde von Alina natürlich kontrolliert, ob jede*r die Corona-3-G-Regel einhält. Ich war geimpft, also durfte ich ins Foyer. Keine Sekunde dachte ich daran, meine blaue OP-Maske abzuziehen. Ich war erstaunt, als ich plötzlich Leute sah, die keine Masken trugen. Natürlich geht auch in Zeiten von Corona die Sicherheit vor, aber: Wollen die meisten von uns nicht wieder in die Gesichter der Menschen schauen? Ohne Maske und sonstige Bedenken? An diesem Abend war es endlich möglich.

Ein Totenkopf sagt "Hallöchen"

Schließlich durften alle ins Studio. Die Bühne war erleuchtet und ich erblickte sofort den kleinen Totenkopf, der auf einem Lederhocker lag und mich angrinste, so wie Totenköpfe es halt tun, wenn sie sich für besonders gruselig halten.

Alle Bewerber*innen saßen nun auf ihren Stühlen. Es waren einige, mindestens 30 oder so. So viele, dass auf der Bühne nicht genug Platz war, um ein Warm-Up zu machen. Aber manchmal härtet der Sprung ins kalte Wasser ab. Das dachte sich auch anscheinend Dave, der nach der Begrüßung sofort mit dem Vorsprechen startete.

Auf Wilhelm Busch ist Verlass

Erst mal die anderen machen lassen, dachte ich mir. Du willst ja auch lernen! Die erste Person trug ein Gedicht über Pfirsiche vor und musste sich dabei an einer Leiter hochziehen. Andere trugen die Leiter, hielten den Totenkopf oder balancierten wie eine Katze auf den Stühlen.
Dabei ist es völlig egal, wie komisch es aussieht: Wenn Dave sagt, was er von uns auf der Bühne will, wird es auch getan! Gleich drei Personen hatten sich jeweils ein Gedicht vom selben Autor ausgesucht: Wilhelm Busch. Das ist halt das Gute an Busch: Wer, wie ich, drei Tage vor Casting gesagt bekommt, bitte ein Gedicht auswendig zu lernen, sucht sich eins von Busch aus, das als erstes unter der Google-Suche ,,Gedichte“ kommt und nur 12 Zeilen hat.

Irgendwann war ich dran. Ich hatte das Gedicht ,,Abschied“ von ihm. Eigentlich ein friedliches Gedicht. Anscheinend fand Dave es sehr traurig. Und wollte DRAMA!

"Du spielst mir noch zu viel!"

Schließlich wollte Dave, dass ich das Gedicht nochmal aufsage, die Leiter dabei raufklettere und mir vorstelle, dass ich Selbstmord begehen wolle. Schließlich war ich oben und ich stellte mir vor, wie ich mich von der ganzen Welt verabschiede. Als ich fertig war, runterblickte und der Fall bevorstand, bat Dave mich wieder, die Leiter runterzuklettern. Selbstmord verhindert.

Dann sollte ich das Gedicht nochmal sprechen. Mir wurde dabei diesmal eine Bewerberin auf der Bühne zur Seite gestellt: Ich sollte sie erstechen. Ich umarmte sie erst, um ihr dann am Ende einen Kugelschreiber von Dave in den Rücken zu rammen, wodurch sie zu Boden fiel. Dabei war ich sehr unruhig und hibbelig. Das fiel Dave auf und sagte: Das war schön, aber du spielst mir noch zu viel! Versuche es ruhig und zum Publikum zu sprechen. Also tat ich es, ruhig und traurig, sodass ich am Ende langsam zum Totenkopf lief und ihn berührte. Und Ende der Show.

Danke für den Kaiserschmarrn, Dave!

Das Casting ging an diesem Abend noch lange. Es wurde unterbrochen von Raucherpausen und der Selbst-Einredung von Einigen: „Nach der Pause gehe ich auf die Bühne!“ Natürlich ließen sich besagte Leute noch Zeit oder sprachen erst am nächsten Tag vor. Am Ende war nur eines wichtig: Ob du bereit bist, jedes Schamgefühl von dir abzuwerfen.
Es wäre mir normalerweise total peinlich, eine wildfremde Person zu umarmen oder einen Totenkopf verliebt anzuschauen. Aber an diesem Abend war es das nicht. Und das ist auch gut so!

Als ich um halb 12 nach Hause kam, dachte ich nochmal an die Aufgabe mit der Leiter, die Dave mir gegeben hatte. Die Leiter und das Gefühl dort oben zu sein, erinnerte mich sofort an die Berge in Österreich und an eine Almhütte, wo es Kaiserschmarrn gibt. Da ich alle Zutaten daheim hatte, machte ich mir einen und aß schließlich um 23.52 Uhr noch einen Kaiserschmarrn mit Äpfeln und Schokocreme. In diesem Sinne: Gute Nacht!