Royal Babies #7 - Alina Sophie Schäfer

Weil‘s so schön eingängig ist, fangen wir zur Abwechslung doch mal mit einem Reim an hier im Blog, trochäisch sogar: Alle Leute wissen - Eigenlob ist beschissen! Und warum? Weil‘s stinkt, das Eigenlob. Ist uns an dieser Stelle allerdings egal, wir setzen uns dem Gestank zum Trotze hier heute selbst einen Lorbeerkranz auf den Schädel, denn Käse stinkt ja schließlich auch, und wenn der serviert wird, langt ja außer den Veganern auch jeder zu. Grund für die Selbstbeweihräucherung ist eine richtiggehende Erfolgsstory, die im tollMut-Ensemble geschrieben wurde. Packt die Taschentücher aus, das geht zu Herzen!

 

Als unser Tausendsassa Alina Schäfer vor ein paar Lenzen als Mitglied des PR-Teams in „Macbeth“ zur tollMut-Familie stieß, hätte sich niemand – sie wohl am allerwenigsten – jemals träumen lassen, dass wir sie eines Tages auf der Bühne sehen würden. „Niemand hat die Absicht, zum Casting zu gehen!“, hätte sie da wahrscheinlich im Brustton der Überzeugung selbst noch auf die Frage nach eigenen darstellerischen Ambitionen geantwortet, während sie Regenwürmer in den Gesichtern von den Lords und Ladys Macbeth verteilte. Wie hätte man‘s auch ahnen sollen? Bis dahin hatte sie ihr mimisches Talent ja bloß zwei Mal unter Beweis gestellt: Einmal im Krippenspiel in der Grundschule, der Nachname hatte es schließlich nahegelegt. Und ein zweites Mal, als sie mit wenig Erfolg aber viel Kunst im Rahmen eines tollMut-Spieleabends eine Bundfaltenhose pantomimisch darzustellen versuchte. Geblendet von dem Licht dieser fast tänzerischen Darbietung schwante einem jeden vom Glück geküssten, der jener legendären Performance irgendwo zwischen Schwanensee und Macarena bewohnen durfte: Da kommt noch ganz Großes auf uns zu! Ob da Alkohol im Spiel war? Natürlich nicht.

Der ganz große Bühnendurchbruch jedoch ließ auch nach diesem Höhenflug noch eine ganze Weile auf sich warten. Hätte die Jüngerin der Bundfalte auch gar keine Zeit für gehabt, schließlich war sie hinter der Bühne ja auch in sämtlichen erdenklichen Funktionen eingespannt wie ein Zugpferd im Geschirr! Wahrscheinlich aber verhält es sich bei tollMut so ähnlich wie bei den Fernsehzuschauern von „Wer wird Millionär?“ - hat man oft genug von der Couch aus beobachtet, wie andere sich da schwitzend abrackern, keimt bald die Überzeugung: Das krieg ich doch auch hin, der Ruhm gehört mir, Millionen, Konfettiregen und Weltherrschafft bitte auch für mich! Und so begab es sich, dass Alina sich trotz vehementester Dementi zunächst zu einem, dann zu drei, schließlich zu etwa siebzig Teilnahmen an unseren Anfängerworkshops und zuletzt – Halleluja! - auch zum Casting überreden ließ. Da hat sie sich zwar fast eingepullert vor Angst, doch hatte sie Borcherts Gedicht „Versuch es“ ausgewählt, das wird ihr ein feines Mantra gewesen sein, mit dem es schwer fällt zu kneifen. Hat ja dann auch geklappt, nicht wahr? So kann‘s nämlich gehen, Freunde des Happy Ends: Eben noch als Lakaie des Regisseurs Tuffi-Tetrapacks und Baldrian eingekauft, jetzt schon auf der Showbühne! Himmel, wird mir richtig warm um‘s Herz und mollig im Schlüpfer, wenn ich das so runterschreibe. Einen schöneren Emporstieg des unterdrückten Underdogs hätten die dämonischen Redakteure im RTL-Nachmittagsfernsehen sich nicht ausmalen können. Und das (fast) ganz ohne Erniedrigung!

Apropos Erniedrigung: In „Yvonne“ sehen wir Alina ab Mittwoch dann als Königin Margarethe, eine – ich paraphrasiere die schöne Schäferin – sexuell Frustrierte mit schizophrenen Tendenzen, die sich, das rät die Mimin, mal besser entweder einen patenten Paartherapeuten oder einen potenten Günstling anschaffen sollte. Da können wir ja von Glück reden, dass wir Alina in unseren Workshops nicht im Method-Acting ausgebildet haben, sonst könnten wir uns jetzt nicht mit Eigenlob bekleckern, sondern hätten eine Sammelklage aus ihrem näheren Umfeld am Hals.

Ist ja auch stinkender Käse, sich mit so einem Gollum von einer Monarchin zu sehr zu identifizieren. Lieber hätten wir Alina selbst zur Königin. Die würde nämlich alle Einwegplastikflaschen abschaffen, den öffentlichen Nahverkehr kostenlos machen und jedem ihrer Untertanen im Sommer ein Eis spendieren. Königin Margarethe ist tot, lang lebe Königin Alina!

Kostenloses Eis gibt‘s bei der Premiere am Mittwoch leider nicht, dafür aber hinterher ein Bier für wenig Geld. Und wer weiß? Vielleicht beflügelt das unsere hohe Dame ja nach getaner Arbeit zu einer kleinen Wiederaufnahme der legendären Bundfalten-Performance? Seid dabei, das wollt ihr nicht verpassen.