“Auf welche Weise Tito der Geliebte der Armenierin geworden ist, kann der Leser in ausführlichster Schilderung in jedem beliebigen anderen Roman nachlesen; ich empfehle insbesondere solche, die der Reihe nach alle Phasen der Verliebtheit projizieren und die mit tadelloser Keuschheit genau in den Augenblick enden, in dem er und sie, nachdem dreihundert Seiten mit nichts sagenden Mätzchen sterilisiert wurden, sich den ersten würdevollen Kuss geben.”

KOKAIN​ ist die Geschichte der lasziven Liebe zwischen dem Edelganoven Tito und der Prostituiereten Maud, erzählt im Kontext eines sterbenden Europas. Der Journalist Tito Arnaudi lanciert in der Presse frei erfundene Falschmeldungen und finanziert mit dem Erfolg seine Kokainsucht – sowie seine Beziehung zu Maud. Maud wuchs unter strenger Zucht in der Provinz auf. Nachdem sie von ihren Eltern in eine Erziehungsanstalt geschickt wurde, floh sie nach Paris. Dort arbeitet Sie nun als Kokotte und Tito verliebt sich in sie. Er stiehlt Gold und zusammen setzen sie sich nach Südamerika ab. Da Tito Mauds ständige Untreue nicht ertragen kann, lässt er sie immer wieder sitzen, kehrt aber dann doch wieder zu ihr zurück. In seiner Verzweiflung räsoniert er über das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, über Sexualität und über das Leben im Allgemeinen, bis er dessen überdrüssig wird. 1922 veröffentlicht, war “Kokain” ein Skandal. Als Schund- und Schmutzliteratur landete der Roman auf dem Index und avancierte zum Bestseller. Pitigrilli, eigentlich Dino Segre, deckt scharfsinnig bissig die Mythen seiner Gesellschaft auf. Er beschreibt eine dekadente Welt, in der nichts und niemand mehr von Bedeutung ist. Eine Welt voll Luxus und oberflächlicher Schönheit, in der Drogen zum zerstörerischen Ersatz einer Utopie werden. Pitigrilli betreibt keine Fratzenzeichnerei mit zynisch erhobenem Zeigefinger, sondern vermisst die psychische Topographie einer Zeit, die der unseren sehr nahe ist. Als Meister des Paradoxons führt er die abendländische Logik in ihre eigenen Untiefen und schlägt ihnen dort ein Schnippchen. Sprachlich gewaltig und zerstörerisch nüchtern ist ​KOKAIN​ ein Juwel der europäischen Literatur.

Vorstellungstermine

Die Premiere findet am 12. April statt.

Weitere Vorstellungen werden am 15.|16.|17.|23.|24.|26.|27.| und 29. April sein.

Besetzung

HELLBLAU – Defne Emiroglu
GELB – Valentin Rocke
BLAU – Anna Gustmann
TÜRKIS – Peter Ewert
HELLGRÜN – Charline Kindervater
GRÜN – Ajas Isajev

Regie: David Penndorf
Regieassistenz: Cornelia Janßen und Adrian Serban
Kostüme: Lea Schreiber
Maske: Jonas Pöhler und Melanie Wagner
Bühne: Teresa Pešl
Stimme: Sarah Schlüter-Stamm
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Sandro Stenczl und Pierre Stoltenfeldt